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Wäre es ohne diese ewigen Krisen gegangen, müsste ich in meinen Jahren, um bürgerlich reputierlich dazustehen, ein Auto aufweisen können, ein Weekend-Haus und Perserbrücken, was mir aber schlechthin nie möglich gewesen wäre zu beschaffen bei meiner Facon, Geld in die linke Westentasche einzunehmen und aus der rechten sofort wieder auszugeben.“

von: Gottfried Benn deutscher Arzt, Dichter und Essayist, 1886 - 1956

und:

Zeiten der chronischen Krise muten dem menschlichen Lebenswillen zu, permanente Ungewißheit als den nicht abänderbaren Hintergrund seiner Glücksbemühungen hinzunehmen. Dann schlägt die Stunde des Kynismus *; er ist die Lebensphilosophie der Krise. Nur unter seinem Zeichen bleibt Glück im Ungewissen möglich. Er lehrt Einschränkung der Ansprüche, Wendigkeit, Geistesgegenwart, Hinhorchen auf das Angebot des Augenblicks. Er weiß, daß die Erwartung von langfristigen Karrieren und die Verteidigung sozialer Besitzstände in ein Dasein «als Sorge» verstricken muß.“

von: Peter Sloterdijk, deutscher Philosoph, Kulturwissenschaftler und Essayist, * 1947

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(* Das Ziel der Kyniker ist die Rückkehr zu einer natürlichen Lebensweise, und zwar nicht durch Regression, also durch ein Zurückfallen auf frühere Stadien der menschlichen Entwicklung, sondern durch den Versuch, in Harmonie mit dem Universum zu leben.)